Im Alter von 79 Jahren ist im August 2006 Franz Fischer verstorben.
Er war ohne Zweifel eine lokale laienmusikalische "Institution": Fast alles, was sich in den letzten 40 Jahren in Friedrichshafen und Umgebung an orchestraler Laienmusik getan hat, hat er mit veranlaßt, mit ermöglicht, mit organisiert. Denn Franz Fischer war nicht nur ein leidenschaftlicher Geiger, sondern darüber hinaus ein engagierter und tatkräftiger Organisator.
Seit er 1963 in den Vorstand und später zum 1. Vorsitzenden des Orchestervereins Friedrichshafen gewählt worden war, hatte er dessen Geschicke 25 Jahre lang geleitet, bis er ab 2004 als Ehrenpräsident - immer noch unermüdlich dabei - "nur" noch in der zweiten Geige mitwirkte.
Damit ging eine Ära zu Ende, in der der 1927 als Sohn eines Zeppelin-Bordingenieurs geborene Versicherungskaufmann, nicht nur ein Orchester mitaufgebaut hat ("Ihm haben wir es zu verdanken, daß aus den zarten musikalischen Anfängen der Nachkriegszeit ein großes, klassisches Sinfonieorchester entstehen konnte, das die musikalischen Kräfte von Amateurmusikern und professionellen Spielern aus der Bodenseeregion in einmaliger Weise bündelt"), sondern sich auch große Verdienste um die Kulturszene Friedrichshafen erworben hat: "Der hohe Stellenwert des Orchestervereins im Kulturleben der Stadt und Region ist ihm zu verdanken".
Aber auch überregional war Franz Fischer aktiv: er war 1981 Gründungsmitglied des Landesverbands Baden-Württemberg des BDLO und viele Jahre dessen Schatzmeister.
1988 holte er - eine glanzvolle Organisationsleistung - das erste Orchestertreffen des Europäischen Verbandes der Liebhaberorchester nach Friedrichshafen.
Es ist selbstverständlich, daß diese Verdienste von Franz Fischer schon zeit seines Lebens nicht unentdeckt und ungewürdigt geblieben sind; so wurde ihm sowohl vom BDLO als auch vom Landesverband die Ehrenplakette und Ehrennadel verliehen.
Aber fast noch wichtiger ist das ehrende Andenken, das ihm die Musikerinnen und Musiker des Friedrichshafener Orchestervereins bewahren werden: Sie werden ihn ganz besonders vermissen nach den Serenadenkonzerten im Tettnanger Schloß, nach denen bei ihm zuhause immer unvergeßliche Gartenfeste stattfanden. Denn Franz Fischer stand für die Lust gemeinschaftlichen Musizierens, die durch die gemeinsam zuwege gebrachte Musik und über sie hinaus Kontakte stiften, Menschen zusammen bringen und Freude vermitteln wollte. Auch das Intermezzo aus der Cavalleria Rusticana, das sich Franz Fischer an seinem Grab gewünscht hatte, und das eine kleine Streichergruppe dort gespielt hat, stand wohl für ihn für einen "Moment der inneren Freude und des Glücks". Dieses Erlebnis, so hieß es in der Grabrede seines Nachfolgers im Vorsitz des Orchestervereins, wollte Franz Fischer "mit vielen Menschen teilen, war seine Triebfeder für all seine musikalische Leidenschaft und gab ihm die Energie bis zur Selbstaufopferung". Und "das Orchester war quasi der Katalysator, das Medium für seinen Wunsch, mit möglichst vielen Menschen und Freunden die großen, ergreifenden Momente der musikalischen Literatur zu teilen".
Der Orchesterverein Friedrichshafen und der Landesverband Baden-Württemberg werden diese Leidenschaft in seinem Sinne weiterpflegen.
H-M. Hell, J. Landkammer